🦙Awareness

Ein Wareness-Konzept auf dem Komplexival

english version below

Wir leben in einer Gesellschaft, in der rassistischen, sexistischen, queerfeindlichen, ableistischen und weiteren Diskriminierung funktionaler Bestandteile unseres kapitalistischen Wirtschaftens sind und daher in der Schule, im Privaten, im Arbeitsalltag, in den Medien und in vielen Bereichen weiterhin werden. Auch auf dem Komplexival kommen wir als in einer solchen Gesellschaft sozialisierte Menschen an, die (vlt.) unbewusst und ungewollt viele Diskriminierungen verinnerlicht bzw. langjährige Diskriminierungserfahrungen haben.

Wir bitten daher alle, sich grundsätzlich mit ihren Privilegien und existierenden Benachteiligungen auseinanderzusetzen. Wir sind keine Bildungsveranstaltung und wünschen uns selbstständige Beschäftigung mit den entsprechenden Diskursen.

Wir als Veranstaltungsteam sind weiß, cis, und teilweise von Ableismus diskriminiert.

Wichtigste Regeln

Cis-Männer können auf der Wiese hinten oberkörperfrei rumlaufen, auf dem Hof bitte nicht.

Wenn Cis-Männer-Artists aufgefordert werden, zum Ende zu kommen, gibt es keinen Diskussionspielraum bzgl. länger auflegen/spielen/etc.

Awareness-Person(en)

Während der Veranstaltung gibt es mindestens eine Awareness Person, die mit entsprechenden Diskursen vertraut ist. Diese wird zu Beginn und nochmal am Samstag von uns Veranstaltenden benannt und allen Teilnehmenden kommuniziert. Die Person achtet aktiv auf Sprache, Verhalten und potentielle Diskriminierung. Sie ist Ansprechperson für alle. Wenn Teilnehmenden diskriminierendes Verhalten auffällt, auch solches durch die Veranstaltenden selbst, können sie dies während der gesamten Festivals der Awareness Person mitteilen.

Dabei ist unsere Haltung grundsätzlich eine Parteiliche. Das heißt, dass wir uns mit Betroffenen von Diskriminierung solidarisch erklären und uns an deren Seite stellen. Ziel des unterstützenden Angebots soll sein, dass sich die betroffene Person wieder handlungsfähig und sich befähigt fühlt Entscheidungen für sich treffen zu können. Das kann sein, der betroffenen Person zu ermöglichen, auf der Veranstaltung zu bleiben, wenn sie das möchte. Das kann auch sein, dass die betroffene Person mit einem guten Gefühl nach Hause gehen kann oder einen temporären Schutzraum für die Person zu schaffen. Wenn es dafür nötig ist, die als bedrohlich empfundenen Personen von der Veranstaltung zu verweisen, können wir das in Zusammenarbeit mit den Schutz-Strukturen umsetzen. In Absprache mit Betroffenen kann die Kommunikation mit der übergriffigen Person, falls gewünscht, auch von uns übernommen werden.

Der Fokus unseres Handelns liegt auf den Bedürfnissen und Wünschen der betroffenen Person. Sie muss sich nicht erklären, ihre subjektive Sicht auf das Geschehene nehmen wir ernst und stellen diese nicht in Frage. Da Grenzen subjektiv sind, können nur die Betroffenen selbst sagen, wann sie etwas als grenzüberschreitend wahrgenommen haben. Unsere Orientierung an Wünschen der Betroffenen heißt nicht, dass diese Sanktionen verhängen können. Wir setzen keine Strafen um, sondern versuchen die Situation bestmöglich im Sinne der betroffenen Personen zu gestalten. Das kann auch Konsequenzen für die übergriffige Person beinhalten.

Alles was uns erzählt wird unterliegt der Schweigepflicht und wird vertraulich behandelt. In anonymisierter Form werden wir im Team (und ggf. mit den Veranstalter*innen) darüber sprechen, um Arbeit zu reflektieren und uns auszutauschen. Nur mit dem Einverständnis der betroffenen Person geben wir Informationen an Dritte weiter (z.B. Schutz, beschuldigte Person etc.)

Grundsätzlich gilt es dabei zu beachten, dass organisierte Awareness-Strukturen auf Veranstaltungen keinen sicheren Raum schaffen können und Grenzverletzungen sowie Übergriffe nicht auszuschließen sind. Außerdem ist unser Angebot auf akute Unterstützung ausgelegt. Einige Situationen und Betroffenen-Lagen können mit unserer Unterstützung vor Ort aufgelöst werden; andere bedürfen langfristig angelegter Unterstützung. Hierfür verweisen wir an ausgewählte Beratungsstellen.

Bei Fragen und Anmerkungen schreibt uns gerne!

[EN] Awareness Concept at Komplexival

We live in a society in which racist, sexist, anti-queer, ableistic and other forms of discrimination are a functional part of our capitalist economy and are therefore maintained in schools, in private life, in everyday work, in the media and in many areas. We also arrive at Komplexival as people socialized in such a society and (possibly) unconsciously and unintentionally internalized discrimination patterns or have years of discrimination experience.

We therefore ask everyone to fundamentally examine their privileges and existing disadvantages. We are not an educational event and would like you to engage with the relevant discourses independently.

As an events team, we are white, cis, and partially discriminated against by ableism.

Main Rules

Cis men can walk shirtless on the lawn at the back, but please not in the yard and stage area.

When cis male artists are asked to finish, there is no room for discussion regarding longer DJ/play/etc.

Awareness person(s)

During the event there is at least one awareness person who is familiar with the relevant discourses. This will be named by us organizers at the beginning and again on Saturday and communicated to all participants. The person actively pays attention to language, behavior and potential discrimination. They are the contact person for everyone. If participants notice discriminatory behavior by anyone, including the organizers themselves, they can report this to the awareness person throughout the festival.

Our attitude is fundamentally partisan. This means that we declare our solidarity with those affected by discrimination and stand by their side. The aim of the supportive offer should be that the person feels able to act again and to be able to make decisions for themselves. This can mean to enable the person to stay at the event if they wish. It can also mean that the person is able to go home with a good feeling, or that we create a temporary shelter for the person. If it is necessary to remove people who are perceived as a threat from the event, we can do this in cooperation with the protection structures. In consultation with the affected person, we can also take over the communication with the abusive person, if desired.

The focus of our actions is on the needs and wishes of the affected person. They don't have to explain themselves, we take their subjective view of what happened seriously and don't question it. Since borders are subjective, only those affected can say when they have perceived something as crossing borders. Our orientation towards the wishes of those affected does not mean that they can impose sanctions. We do not implement any penalties, but try to shape the situation in the best possible way in the interests of the people concerned. This can also have consequences for the person who violated it.

Everything that is told to us is subject to confidentiality and will be treated confidentially. We will talk about it anonymously in the team (and possibly with the organizers) to reflect on our work and exchange ideas. We only pass on information to third parties (e.g. protection, accused person, etc.) with the consent of the person concerned.

In principle, it should be noted that organized awareness structures cannot create a safe space at events and that violations of borders and attacks cannot be ruled out. In addition, our offer is designed for acute support. Some situations and those affected can be resolved with our on-site support; others require long-term support. For this we refer to selected counseling centers.